TURNAROUND Volkswagen – Muss VW wirklich 100.000 Stellen abbauen?

Volkswagen diskutiert derzeit den möglicherweise größten Restrukturierungsfall der europäischen Industriegeschichte. Im Raum stehen bis zu 100.000 Stellen, vier Werksschließungen und eine drastische Reduzierung von Kapazitäten.
Oliver Blume spricht gleichzeitig von intelligenteren Lösungen als reinen Werksschließungen und Massenentlassungen. Vielleicht liegt genau dort der Schlüssel.
Ich glaube, die eigentliche Frage lautet nicht:
Wie viele Mitarbeiter kann Volkswagen abbauen?
Sondern: Wie viel Komplexität kann Volkswagen abbauen?
VW beschäftigt weltweit rund 650.000 Menschen. Die entscheidende Zahl kenne ich nicht. Aber ich würde gerne wissen:
Wie viele davon führen andere Menschen?
Wie viele koordinieren?
Wie viele berichten?
Wie viele erstellen Präsentationen für andere Menschen, die wiederum Präsentationen erstellen?
Wie viele Gremien, Ausschüsse, Markenboards, Steuerungskreise und Eskalationsstufen existieren zwischen einem Kundenproblem und einer Entscheidung?
Vielleicht liegt dort ein größerer Hebel als in der Produktion. Denn die Produktivität eines Unternehmens wird nicht nur durch Mitarbeiter bestimmt.
Sondern durch die Menge an Management-Energie, die das System absorbiert.
Noch deutlicher:
Wenn tatsächlich chinesische Hersteller künftig freie VW-Kapazitäten in Deutschland nutzen sollten, wie bereits diskutiert wurde, dann werden diese Fahrzeuge vermutlich nicht mit deutschen Kostenstrukturen produziert werden können.
Die eigentliche Konkurrenz kommt deshalb nicht nur aus China.
Sie kommt aus Organisationsmodellen, die einfacher, schneller und entscheidungsfähiger geworden sind.
Vielleicht braucht Volkswagen deshalb keinen klassischen Stellenabbau.
Vielleicht braucht Volkswagen den radikalsten Managementabbau seiner Geschichte. Weniger Hierarchie. Weniger Schnittstellen. Weniger Gremien. Weniger Marken-Egoismen. Weniger interne Politik.
Mehr Verantwortung dort, wo Wertschöpfung entsteht.
Die meisten Turnarounds scheitern, weil Unternehmen Kosten mit Ursache verwechseln. Personalkosten sind oft nur das Symptom.
Die eigentliche Ursache heißt Komplexität.
Und genau dort würde ich anfangen.

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